Müll im Meer

​Warum bist du Taucher? Was fasziniert dich an der Unterwasserwelt? Überlege einmal einen Moment, was dir das Tauchen gibt und warum du dich so sehr dafür begeistert?

Für viele ist es sicherlich das Gefühl, dass sie sich wie ein Fisch fühlen können. Sie schweben zwischen all den Meeresbewohnern durch das Meer. Für viele andere ist es sicherlich auch die Ruhe, die der Ozean ausstrahlt. Sie tauchen ab und haben das Gefühl ihre Art der Meditation und der inneren Ruhe gefunden zu haben. Wiederum andere lieben einfach die Vielzahl der farbenfrohen Unterwasserbewohner, die vorm Aussterben bedrohte bezaubernde Korallenwelt und die die ganz besondere Spezies, die so schnell nicht aussterben wird: Die zahlreichen Plastikflaschen und Tüten sowie der ganze Müll, der durch die Weltenmeere treibt, nicht biologisch abbaubar ist und leider immer mehr wird – und zwar auf einer ganz unaufhaltsamen Art und Weise.

Wie Plastik unsere Ozeane verschmutzt – der Schrecken in Zahlen übersteigt deine Vorstellungskraft!

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass pro Jahr mehr als 6,4 Millionen Tonnen Plastikmüll in unseren Ozeanen landen. Auf jedem Quadratkilometer treiben somit bis zu 46.000 Teile Plastikmüll unterschiedlichster Größe auf der Wasseroberfläche. Das klingt jetzt nach einer mehr oder weniger überschaubaren Größe, allerdings handelt es sich hierbei nur um die Spitze des Müllberges! Denn mehr als 70 Prozent des Gesamtmülls sinken auf den Meeresboden, bleiben dort liegen und fristen ihr Dasein in den Tiefen der Weltenmeere. An die 15 Prozent des Gesamtmülls werden von den Wellen wieder an unsere Küsten gespült. Eine traurige Bilanz!

Aus diesem Grund widmen sich immer mehr Wassersportler dem Problem, sie werden zu Umweltaktivisten auf ihre eigene Art, um ihre geliebten Tauch- und Surfspots weiterhin zu erhalten.

Vom Plastik zum Mikroplastik

Der in den Meeren treibende Plastikmüll wird im Laufe der Zeit durch die Wellenbewegungen und das UV-Licht zerkleinert. Es wird immer feiner und feiner, bis es sich pulverisiert und zum Mikroplastik wird. Die Mikroorganismen sind nicht in der Lage, die Kunststoffe komplett zu zersetzen. Die pulverartigen Kleinstpartikel verbleiben somit in der Meeresumwelt. So überrascht es nicht, dass die Zunahme der Mikropartikel weltweit stetig zunimmt. Dies lässt sich in den Meereswirbeln, Sedimenten und an Stränden beobachten.

Der hohe Feinheitsgrad sorgt dafür, dass viele Meeresbewohner sowie Plankton es mit ihrer üblichen Nahrung verwechseln und so Mikroplastik in ihren Organismus aufnehmen. Jedoch sind diese Plastikpartikel hochgiftig und enthalten krebsverursachende Chemikalien wie DDT oder Polychlorierte Biphenyle. Ebenso gelangen bei der Zersetzung hormonell wirksame Zusatzstoffe wie Weichmacher, UV-Filter und Flammschutzmittel in die Meeresumwelt.

So steigen diese Schadstoffe über das Plankton und größere Tiere immer weiter in der Nahrungskette auf, bis es schließlich in Form eines Fischfilets auf unserem Tisch landet. Auch wir verzehren letztlich die giftigen Plastikpartikel. Na dann mal einen guten Appetit!

Ursachenforschung: Wie kommt der Müll ins Meer?

Forscher haben an vielen Stränden auf all unserer sechs Kontinente Mikroplastikpartikel nachweisen können. Allein deshalb sollte eine tiefergehende Ursachenforschung durchgeführt werden: Was versucht den meisten Müll? Und wie kommen die Plastikpartikel ins Meer?

Der Plastikmüll gelangt über verschiedene Wege ins Meer

  • ​Waschmaschine und Abwasser
  • ​Kosmetikprodukte
  • ​Schiffe und Fischfang
  • ​Müllkippe Strand

Einmal Schleudergang, bitte

Viele Mikroplastikteilchen stammen aus unseren Waschmaschinen. Unsere Kleidung besteht zunehmend aus Kunstfasertextilien und synthetischen Materialien. Aber auch unsere geliebten, warmen Fleecepullis verlieren feinste Partikel beim Waschvorgang: Die Rede ist von etwa 2.000 winzigen Fasern. Da diese so unglaublich klein sind, können sie weder vom Sieb der Waschmaschine noch in Kläranlagen aufgefangen werden und gelangen so letztlich ins Meer.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Und auch bei der täglichen Körperpflege gelangen kleinste Kunststoffteilchen ins Meer. Sie stecken in unseren Peelings, Zahncremes, Duschgels, Kontaktlinsenreinigern. Viele Kosmetikartikel enthalten kleine Plastik-Kügelchen, die den vermeintlichen Reinigungseffekt verstärken sollen. Behalte dies für deinen nächsten Großeinkauf im Drogerie-Fachmarkt im Hinterkopf!

Die Schifffahrt und der Fischfang

Erschreckenderweise entsorgen weltweit Schiffe noch immer ihren Müll im Meer. Und dies geschieht, obwohl die vorsätzliche Entsorgung von Müll und Plastik auf See verboten ist, aber wer kann es schon auf den Weltenmeeren nachweisen?! Davon abgesehen verlieren Schiffe auch hin und wieder ihre Ladung und Container im Meer. Aber auch die Fischwirtschaft ist ein großer Verursacher vom Meeresmüll: Teilweise werden Netze bewusst im Meer entsorgt oder aber sie gehen verloren und werden zu sogenannten Geisternetzen. Diese herrenlosen Netze fischen unendlich weiter: Unzählige Fische verfangen sich in ihnen und auch verschiedene andere Meeresbewohner verfangen sich in ihnen und verenden auf elendige Art und Weise. Zudem bleiben die Geisternetze letztlich in Korallenriffen hängen und schaden der Riffstruktur.

Müllkippe Strand – die traurige Wahrheit

In vielen Ländern wird vor allem an touristisch erschlossenen Stränden der Müll rücksichtslos am Strand liegen gelassen. Allerdings landet der Müll auch über die Flüsse in die Meere. Und auch hier sollten wir auch uns selbst an die eigene Nase packen: Auch wenn wir sogenannter Recycling-Weltmeister sind, so hatte eine Studie im Jahre 2015 ergeben, dass der Rhein verglichen mit vielen anderen Flüssen weltweit mitunter am stärksten mit Mikroplastik belastet ist. So gelangen über den Rhein pro Jahr circa 10 Tonnen Mikroplastik ins Meer. Kein Kommentar…

Die Plastikstrudel

Aufgrund der Meeresströmungen haben sich in bestimmten Meeresregionen Müllstrudel herausgebildet. Die Meeresdriftströmungswirbel sorgen dafür, dass es in diesen Gebieten zu einer Verdichtung von Mikroplastik und Zersetzungsprodukten kommt. Der bekannteste ist hier vor allem der Nordpazifikwirbel zwischen Nordamerika und Asien, der auch als Great Pacific Garbarge Patch bezeichnet wird, als Großer Pazifikmüllfleck. Da die Grenzen sehr diffus sind – schließlich treibt der Müll hier nur als Konglomerat im Meer herum – lässt sich die Größe nicht genau bestimmen. Manche Quellen besagen, es sei so groß wie Texas, andere vergleichen es mit den Vereinigten Staaten, wiederrum andere sprechen von einer Größe West- und Mitteleuropas. Fakt ist, es handelt sich dabei um einen Müllstrudel der Superlative, der von uns Menschen selbst verursacht wurde!

Der Müll und seine weitreichenden, destruktiven Folgen…

Dreiviertel des Mülls, der sich im Meer befindet, besteht aus Kunststoffen, deren Abbau mehrere Jahrhunderte benötigen wird. Es ist also allerhöchste Zeit zu handeln! Unsere Korallenriffe sind ein wunderschöner, farbenprächtiger – aber auch sehr empfindlicher! – Ort, sie bieten einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Meeresbewohner.

Der Müll wird nahezu unaufhaltsam mehr, immer mehr Tiere verenden qualvoll daran, wir selber nehmen die zersetzten Giftstoffe letztlich über unsere Nahrung wieder auf. Wir alle sollten etwas gegen die Verschmutzung unserer Umwelt und der Meere tun und unseren eigenen Konsum auf den Prüfstand stellen!

  • ​Vermeide Plastikverpackungen, Wegwerfartikel und Plastiktüten!
  • ​Verwende Kosmetikartikel, die frei von Kunststoffen und Mikroplastik sind!
  • ​Investiere lieber in langlebige Produkte, die dir für lange Zeit erhalten bleiben. So sparst du zudem wertvolle, natürliche Ressourcen!
Abfall-RECYCLING
Und für den nächsten Tauchausflug gilt

Nehme dein Netz mit auf Tauchgang, um herumtreibenden Plastikmüll aufzusammeln. Gehe mit gutem Beispiel voran, damit uns unsere bezaubernde Natur sowie die faszinierende Unterwasserwelt möglichst lange und intakt erhalten bleiben!

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