Unternehmen Xarifa

Kino-Haupttitel in Österreich und der Schweiz: "Giganten des Meeres - Unternehmen Xarifa"
Englische Fassung: "Under the Caribbean"
Französische Fassung: "L' Aventure est au fond de la mer"

87 Minuten, Farbe (Technicolor)

Erstaufführung: 1954

 

Filmplakat Herzog-Film

Filmplakat Progress (DDR)

Filmplakat Frankreich

Filmplakat Australien

 

Filmplakat British Lion (UK)

 

Filmplakat RKO

 

Das Programm von Heute, Kinozeitschrift Nr. 324

Progress Filmillustrierte Nr. 71/55 (DDR)

Das neue Filmprogramm (ohne Nr.)

Illustrierte Film-Bühne Nr. 2561

Premieredaten:
Düsseldorf:
04. November 1954; Residenz-Theater (Weltpremiere der deutschen Fassung))
Vaduz: 10. November 1954
Berlin: 12. November 1954
Basel: 22. November 1954
London: 09. Dezember 1954; Empire Theater (Weltpremiere der englischen Fassung)
Wien: 21.Dezember 1954, Urania

Bei den Taucharbeiten dieser Expedition fand
Lt. Comdr. Jimmy Hodges - DSC RNVR - den Tod.
Seinem Andenken ist dieser Film gewidmet.

Teilnehmer der Expedition

Dr. Hans Hass

Expeditionsleiter

Lotte Hass

Seine Frau und Assistentin

Dr. Georg Scheer

Biologe und Techniker

Dr. Irenaeus Eibl-Eibesfeldt

Tierpsychologe

Dr. Heino Sommer

Arzt und Funker

Irmen Tschet

Kameramann

Lt. Comdr. Jimmy Hodges

Unterwasserkameramann

Ing. Kurt Hirschel

Techniker

"Xenofon", Alfons Hochhauser

Zeugwart

Mannschaft der Xarifa

Johann Diebitsch

Kapitän

Marsil Graf Geldern

Erster Offizier

Heinrich Becker

Zweiter Offizier

Gerhard Biastock

Maschineningenieur

Hans Klode

Koch

Helmut Tilsner

Steward

Karl Evers

Matrose

Oskar Rhode

Matrose

Manfred Schommartz

Leichtmatrose

Peter Kay

Leichtmatrose

Rudolf Luber

Leichtmatrose

Jürgen Wilharm

Schiffsjunge

Filmproduktion

Dialoge und Kommentar

Hans Hass

(Englischer Dialog

Alfred Shaughnessy)

Kamera

Irmen Tschet
Jimmy Hodges (Unterwasser)
Hans Hass (Unterwasser)

Schnitt

Peter Graham Scott

Ton

Ken Cameron
Red Law
Georg Burgess

Musik

Arthur Benjamin und das
London Symphonie Orchestra unter
Muir Mathieson

Regie

Hans Hass

Inhalt:
Am 23.08.1953 läuft die Segeljacht Xarifa zu einer achtmonatigen Forschungsfahrt aus und ankert bei strahlend-blauem Himmel in der Karibik vor idyllischen Koralleninseln. Die Arbeit der Expeditionsteilnehmer an Bord und unter Wasser, ihre neuartigen und spannenden Erkenntnisse bilden den Stoff für den Film, der in eine Spielhandlung eingebettet ist. Lotte Hass ist wieder die Hauptdarstellerin.
Bisher nie gesehene Bilder: Wissenschaftler schwimmen mit dem Sauerstoff-Kreislaufgerät bis zu einer Stunde mühelos zwischen den Fischen umher, führen Beobachtungen und Untersuchungen auf dem Meeresgrund durch. Auf der schwimmenden Forschungsstation wird gesammelt, kartografiert, mikroskopiert, protokolliert, werden neue Erkenntnisse über die Lebens- und Verhaltensweisen der Tiere gewonnen: Als Lockruf für Haie werden die von harpunierten Fischen ausgesandten Schwingungen im Wasser aufgenommen und über einen Lautsprecher verstärkt wieder ins Meer ausgesandt. Furchterregend bemalte Regenschirme werden in ihrer abschreckenden Wirkung und die Reaktion von Papageienfischen auf ihr eigenes Spiegelbild getestet.
Ein Höhepunkt des Filmes ist die unglaubliche, noch unbekannte Farbenpracht der Korallenriffe, wenn sie im Licht der Unterwasserscheinwerfer erstrahlen: Unscheinbares Grün und Braun leuchtet dann plötzlich als grelles Rot, Gelb oder Orange auf.
Nach der Äquatortaufe erreicht die Xarifa die Galapagos-Inseln. Bis auf wenige Meter nähern sich die Teilnehmer den Seelöwen, können sie sogar berühren. Unter Wasser kommt es aber zu überraschenden Attacken eines Bullen. Auf der sagenumwobenen Cocos-Insel ergreift einige Wissenschaftler das Schatzfieber. Piratenschätze sollen hier versteckt sein. Während Hans Hass endlich Wale entdeckt und sie fasziniert fotografiert, begibt sich Lotte Hass heimlich auf Schatzsuche. Plötzlich erscheinen Hammer- und Tigerhaie auf der Szene und bedrängen sie. Aber der edle Retter ist natürlich nicht fern...

On August 23, 1958 the yacht Xarifa sets sails for an eight-month research expedition to the Caribbean. The feature film centres around the work of the expedition members aboad and underwater and their new and exciting discoveries. The lead is played by Lotte Hass.
Scenes, unthinkable before, are present: scientists swim and dive underwater....
A highlight of the film is the incredible colourful splendour of the coral reefs in the beam of the underwater searchlight. After the equatorial baptism, Xarifa reaches the Galapagos islands. The members approach the sea lions very closely - within arms reach. Underwater, however, they are exposed to the fierce attack of a male.
On legendary Cocos Island, some scientists are taken by "treasure fever". While Hans finally discovers whales and films them with fascination, his wife Lotte sets out in research for treasure. All of a sudden, hammer and tiger sharks show up and attack her. But naturally, the noble rescuer is not far...

Werbetext aus der Kinozeitschrift "Das neue Film-Programm":

 

Die prachtvolle Segeljacht "Xarifa" liegt zwischen den Palminseln des Karibischen Meeres.
Der Expeditionsleiter Dr. Hass erklärt seinen Mitarbeitern die Verwendung der neuen Tauchgeräte und die Fischmenschen dringen in noch unberührte Meerestiefen vor. Frabenprächtige Korallenriffe werden erforscht, angriffslustige Haie abgewehrt. Die Taucher können auch unter Wasser miteinander sprechen. Sie tragen Spiegel auf den Meresgrund, um festzustellen, was die Fische tun, wenn sie ihr Antlitz sehen.
Lotte ist als Taucherin das Sorgenkind der Expedition. Sie bringt sich durch ihre Eigenwilligkeit in Gefahr. Haifische streichen an ihren Beinen vorbei, sie merkt es nicht. Sie will auch Experimente mit Meerestieren anstellen. In einem Buch liest sie, dass man Tiere hypnotisieren kann, indem man eine glitzernde Kugel über ihre Augen hält. Sie befestigt eine Christbaumkugel an einem Stock und verschwindet im Meer. An einem Trompetenfisch erprobt sie ihre neue Kunst und siehe da, der Trompetenfisch verdreht die Augen und wird stocksteif.
Dr. Hass und seine Männer sitzen in einem Korallenriff und erproben die Wirkung von Schwingungen, die durch einen Unterwasser-Lautsprecher ausgesandt werden. Die Schwingungen sollen Haie anlocken. Da ertönt statt der Schwingungen ein merkwürdiges Gekreische. Über Kurzwelle hat der Funker Nachricht von der Heimat erhalten, dass Dr. Eibl, der junge Tierpsychologe, Vater geworden ist. Die Funkstation in Deutschland hat das Geschrei des Neugeborenen nach dem Karibischen Meer geleitet und dieses Geschrei ist es, das aus dem Unterwasser-Lautsprecher erschallt. Der Funker selbst schwimmt mit einer Sektflasche auf den Meeresgrund und gratuliert. Dr. Eibl ist ausser Fassung. Gerade hat er noch gesagt, der Ton klinge, wie wenn man einer Katze auf den Schwanz tritt.
Wochen sind vergangen. Wir haben Freud und Leid der Expedition kennengelernt, die Erlebnisse des Alltages, die stets drohenden Gefahren, die vielen überraschenden Erlebnisse auf dem Meeresgrund. Aber noch kennen wir die Riffe nicht wirklich. Mit 5000-Watt-Scheinwerfern schwimmen die Taucher auf dem Meeresgrund und aus dem blauen Dämmerlicht lösen sich Farben, wie sie noch kein Lebenwesen sie erblickt hat.
Der geheime Wunsch des Expeditionsleiters Dr. Hass ist es, die grössten Meeeresraubtiere, die sagenhaften Pottwale, unter Wasser anzuschwimmen. Er hofft, dass die Expedition diesen Meeresriesen auf den Galapagos-Inseln begegnen wird und er nimmt die gefährlichen Hammer- und Tigerhaie in Kauf, welche diese entlegenen Küsten unsicher machen. Der geheime Wunsch von Lotte ist es, die sagenhafte Schatzinsel Kokos aufzusuchen; denn sie hat eine alte Karte, welche das Versteck des traumhaften Schatzes angeben soll. Während die "Xarifa" mit vollen Segeln in den Pazifik segelt und am Äquator nach alter, derber Seemannstradition in bunter Verkleidung die Äquatortaufe vorgenommen wird, sieht sie im Traum die ungeheuren Schätze, die ihrer warten.
Auf den einsamen Galapagos-Inseln erlebt die Expedition ein Tierparadies. Hier leben die sagenhaften Meerhexen. An der Angel wird ein Pinguin gefangen und graziöse Seelöwen umtanzen die Taucher in anmutigem Spiel. Schwärme prächtiger Panterrochen gleiten lautlos vorbei. Das Meer ist voll von seltsamen Tieren, nur die Wale fehlen noch! Lotte meint, die würden bestimmt weiter nördlich sein. Weiter nördlich ... bei der Schatzinsel Kokos.
Die Würfel sind gefallen. Die "Xarifa" nimmt nördlichen Kurs . Im dichten Urwald der entlegenen Insel suchen alle Mann des Schiffes heimlich nach dem lockenden Schatz. Unter Wasser sieht es hier unheimlich aus. Schwärme von Hammerhaien machen diese Gegend unsicher. Hass und seine Männer finden hier ein Wrack. Sie bringen die grossen Scheinwerfer herunter und dringen in das Innere des Schiffes ein...
Da ertönt vom Mastkorb ein Schrei: Wale sind gesichtet! Die Mannschaft auf dem Meeresgrund wird verständigt und bricht sofort zur Verfolgung auf. Ein anderes Boot fährt an der Küste entlang. Vom treuen Xenophon begleitet, will Lotte den Schatz allein finden. Ungeachtet der Brandung schwimmt sie allein in die Tiefe und in eine riesige Grotte, während ein Rudel von Hammerhaien ihr folgt.
Hass und seine Männer haben ein Mikrophon ins Meer gesenkt und hören eigentümliche Geräusche. Das muss die Stimme der Wale sein! Und da erscheinen die Riesen bereits in der Nähe des Bootes. Schon sind Hass und Commander Hodges mit ihren Kameras im Wasser und schwimmen die Tiere an. Sie ahnen nichts von der Gefahr, in der Lotte schwebt. Hammer- und Tigerhaie haben sich vor der Grotte versammelt und lassen sie nicht mehr zur Oberfläche zurück. Der Sauerstoff ihres Gerätes ist beinahe zu Ende.
Xenophon, der die Haie vom Boot aus sieht, eilt zurück zur "Xarifa" und verständigt über Funk die Mannschaft bei den Walen. Aber Hass hört nicht auf die Rufe seiner Kameraden im Boot. Der Wunsch seines Lebens hat sich erfüllt. Im tollkühnen Einsatz bringt er seine Kamera bis vor das Maul der Ungeheuer, aus dem ein markerschütternder knarrender Ton erschallt. Er hört die Stimme der Wale. Endlich nähert sich das Boot in brausender Fahrt der Felswand, wo Lotte getaucht ist. Lotte ist am Ende ihrer Kräfte. Sie kann sich der Haie nicht länger erwehren. Alles scheint verloren. Da gelingt es Hass, niederzustossen und die blutgierigen Bestien zurückzutreiben. Mit letztem Atem schwimmen die beiden empor. Die "Xarifa" hat Segel gesetzt. Das Ziel ist erreicht. Das Unternehmen Xarifa kehrt zurück in die Heimat.

Hintergrund:
Hans Hass war es gelungen, zur Finanzierung der ersten Expeditionsfahrt der Xarifa den deutschen Filmverleih Herzog-Film einzubinden. Der Verleih machte jedoch zur Bedingung, daß auf der Fahrt kein herkömmlicher, dokumentarischer Expeditionsfilm entstehen sollte, sondern ein Spielfilm, der in den Kinos ein großes Publikum ansprechen und so die Kosten wieder schneller einspielen würde. Dies war allerdings eine schwierige Aufgabe, denn ein solches Filmprojekt lässt sich nicht mehr ausschliesslich mit denen von Hass bislang verwandten 16 mm Handfilmkameras lösen.
Da der Film als erste deutsche Technicolor-Produktion ausgeführt werden sollte, war es nicht nur ein technisches, sondern auch ein personelles Problem, denn niemand kannte bislang das Filmmaterial gut genug um sagen zu können, welchen Einfluß Tropenklima und Expeditionsbedingungen auf seine Qualität haben würde. Als Kameramann fand Hass den Altmeister Konstantin Irmen Tschet für Überwasser und für Unterwasseraufnahmen den Engländer Jimmy Hodges, ein weithin bekannter und geübter Taucher und Unterwasserfilmer.
Gedreht wurde auf der Fahrt mit mehreren Filmkameras. Unter Wasser kamen zwei "Vinten-Hodges" zum Einsatz, die keine Spiegelreflex-Suchereinrichtung für den Unterwassereinsatz besaßen. Eine Beurteilung der Schärfe ist hierbei nur durch grobe Schätzung der Entfernung möglich. Speziell bei der Verwendung von langen Brennweiten (Teleobjektive) ist dies ein sehr schwieriges Unterfangen. Der Sucher ist ein sogenannter Rahmensucher mit verschiedenen Ausschnitten, entsprechend der unterschiedlich verwendeten Objektive. Die Filmaufnahmen über Wasser wurden mit Kameras aus dem Hause Arnold & Richter, den weltbekannten "Arriflex" erstellt.
Ein großes technisches Problem war auch die Frage nach einer geeigneten Unterwasser-Filmbeleuchtung. Sie wurde wie folgt gelöst: 2 Generatoren mit je 30 kW an Bord der Xarifa lieferten die nötige Energie. Ein 300 und ein 500 Meter langes Stromkabel, welche auch zusammengefügt werden konnten und ein Gewicht von über 1000 kg besaßen, mündeten in 2 Schalt- und Verteilerkästen. Diese waren im Beiboot installiert und verteilten den Strom in weitere 120 Meter lange dünnere Kabel, an deren Ende spezielle Filmscheinwerfer für den Unterwassergebrauch von 3 und 5 Kilowatt saßen.
Um die schweren Versorgungskabel unter Wasser besser handhaben zu können, wurden sie in Abständen von 6 Metern mit Schwimmer aus Glasbojen versehen. Die äußerst große Lichtleistung dieser technisch- und bedienungsaufwendigen Unterwasser-Beleuchtung zeigte zum ersten Mal die Farben in einer wahren Farbexplosion in tropischen Korallenriffen.
Da es sich ja um einen Expeditionsfilm mit deutlichem Spielfilmcharakter handeln sollte, mußten alle Expeditionsteilnehmer schauspielerische Talente entwickeln und Dialoge sprechen. Hans Hass folgte dem Wunsch des Verleihers nach Dialogen sogar soweit, dass er Unterwasser-Dialoge einbaute. Das Sprechen mit den damals verwendeten Atemgeräten war unter Wasser allerdings nicht möglich, aber die Akteure taten so als ob. Damit alles echt wirkte, wurden vor dem Tauchgang die Texte festgelegt, die die einzelnen Taucher unverständlich in ihre Mundstücke murmelten. Später wurde der Text erneut an Land verständlich in das Mikrophon gesprochen und zwar verständlich. Diese wurden dann später im Atelier auf "Unterwasser-Sprache" verfremdet und abgemischt und dem Film wieder zugegeben.

Siehe dazu auch: Forschungsschiff Xarifa. Ein Meilenstein der modernen Meeresökologie. Wien, 1999

Siehe dazu auch: Kurt Hirschel - Vom Ingenieur zum Kameramann.

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