Wohnen im Meer
Von der Unterwasservilla - zur schwimmenden Stadt
Englischer Titel: Dwelling in the Sea

Erstsendedatum SDR: 10.04.1976
44 min, 16mm Farbe, nur deutsche Fassung.
Südfunk Stuttgart (SDR) und ORF.

 

Inhalt:
Anläßlich der Meeres-Weltausstellung "Expo 75" in Japan: Dokumentation über die schwimmenden Städte des Architekten Kiyonori Kikutake und eine an der japanischen Küste errichtete Unterwasser-Luxusvilla. Hans Hass besucht die erste Unterwasser-Villa der Welt an der Südostküste von Japan. Er beobachtet die Expo 75, Meeresweltausstellung in Osaka. Interview und Vorstellung des berühmten Architekten Kiyonori Kikutake, der schwimmende Städte für 50.000 bis 2 Millionen Einwohner plant und baut. Besuch von Aquapolis, der ersten schwimmenden Stadt bei Okinawa.

Contents:
We join a party in a rich Japane's apartment, which is situated at the bottom of the sea. Visiting guests must dive down to attend the party.

Hintergrund:
Wird der Mensch im Meer leben? Wird es auch auf dem Meeresboden Häuser geben, Strassen, Krankenhäuser, Kirchen und Paläste - ? Heute erscheint das noch Utopie. Andererseits vermehrt sich die Menschheit explosionshaft und der Siedlungsraum wird früher oder später knapp. Für wirtschaftliche und militärische Zwecke wurden bereits Unterwasserhäuser erreichtet, von denen aus Taucher operieren. Jetzt breitet sich auch menschlicher Luxus, menschliche Kultur in den Unterwasserbereich aus. Zwei Stunden südlich von Tokyo, in einer Bucht der "japanischen Riviera" hat ein reicher Geschäftsmann und begeisterter Sporttaucher sich die erste Unterwasser-Villa der Welt erbaut. Sie liegt zwölf Meter tief und kann nur von Tauchern besucht werden. Der grosse Salon ist elegant eingerichtet, mit bunten Polstermöbeln, einer Bar, einer Küche, es gibt auch Telefon, ja sogar Fernsehen. Die Versorgung mit Luft, Süsswasser, Strom etc. erfolgt durch Schläuche und Kabel von Land her.
Hans Hass faszinierte die Idee, ein Fest in dieser Villa zu erleben - und Hidekatzu Tanaka, der Besitzer, organisierte ein solches für ihn. 16 japanische Taucher und Taucherinnen nahmen daran teil. Essen und Kleider wurden über einen wasserdichten Container heruntergebracht: die Mädchen legten die Tauchgeräte ab, zogen sich Cocktailkleider an, es gab ein japanisches Abendessen und Diskussionen über das Thema "Zukunft im Meer". Später wurde getanzt - und man schlief auch unten, in der Villa.
Hass hatte einen japanischen Kameramann engagiert und filmte mit ihm gemeinsam, wie diese Nacht auf dem Meeresboden verlief. Gegen Mitternacht schwamm Hass mit der Unterwasserkamera hinaus in die Dunkelheit, näherte sich aus der Ferne den Fenstern, filmte, wie drinnen Menschen tanzten und sich unterhielten ... Fische sahen ebenfalls von Aussen dem Schauspiel zu. Unter dem erhöhten Druck, der in der Villa herrscht, schäumt Bier nicht - und eine gewisse Bewusstseinsveränderung findet statt. Alles Leben stammt letztlich aus dem Meer - alle Landlebewesen sind eigentlich Wasserlebewesen im Exil. Auch der Mensch. Jetzt kehrt er zurück ins Meer, macht sich dort unten heimisch...
Gegenpol: Das gigantische technische Projekt schwimmender Städte die auf 100 Meter langen, hohlen Betonpfosten errichtet werden, auf einer über 20 Meter über den Wellen schwebenden Plattform. Ihr Erfinder, der Architekt Kiyonori Kikutake denkt an Städte für 50.000 bis 2 Millionen Einwohner, die über unterseeischen Gebirgen verankert werden. Die erste soll im nächsten Jahrzehnt nördlich von Borneo errichtet werden, ein Prototyp wurde bereits für 45 Millionen Dollar auf Okinawa erstellt - als Zentrum und Symbol der Meeres-Weltausstellung, die dort stattfindet.
Wie reagiert das Meer auf diese Expansion? Wird der Mensch es ähnlich verwüsten, wie er weite Landgebiete verwüstet hat? Sowohl die schwimmenden Städte als auch die Unterwasser-Villa legen nahe, dass es zu einem neuen, anderen Mensch-Meer-Verhältnis kommen muss. DAS ist das eigentliche Thema des Filmes - das eigentliche Ergebnis dieser merkwürdig fröhlichen und doch wie in einer Gruft verbrachten Nacht. Am Morgen zog dann der banale Alltag auch in die Unterwasser-Villa ein. Das Geschirr wurde abgewaschen, die Möbel geputzt - die Unterwasservilla-Reinemachfrau säuberte mit einem Staubsauger die Spannteppiche.

 

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(C) COPYRIGHT: Michael Jung 2002