Die Teufelsinsel
Englischer Titel: Devils Island
Erstsendedatum SDR: 09. April 1972
58 min, 16mm Farbe, nur deutsche Fassung.
Südfunk Stuttgart (SDR) und ORF
Erhältlich als VHS-Videofilm

Inhalt:
Hans Hass durchforscht die drei Inseln (Teufelsinsel, Royal-Insel, St. Joseph-Insel) vor der Küste von Französisch-Guyana, die Napoleon zu Strafkolonien macht. Er folgt den Spuren von Alfred Dreyfus, der dort inhaftiert war. Überprüfung der Berichte von Henri Charrière, dessen Buch "Papillon"zum Bestseller wurde.
Contents:
The Devils Island in French Guayana is where the destinies of Dreyfus and Papillon meet and where Hans Hass retraces and critically examines Papillon's escape.
Hintergrund:
An der Küste von Französisch Guyana in Südamerika liegt eine berüchtigte Insel, auf der sich der Schicksalsweg zweier ungewöhnlicher Männer gekreuzt hat: l'Isle de Diable - die Teufelsinsel. Alfred Dreyfus wurde dorthin verbannt. Er war unschuldig, fiel einer Intrige zum Opfer, wurde als deutscher Spion denunziert. Die Dreyfus-Affaire wurde zu einem Markstein der französischen Geschichte. Nachdem Emile Zoll in seiner berühmten Schrift "J'accuse!" für den Unschuldigen Partei ergriff, kam es in Paris zu einer turbulenten Entwicklung, die schliesslich zum Sieg der sozialistischen Partei führte. Der auf der Teufelsinsel schmachtende Dreyfus wurde über diesem Kampf für Wahrheit und gegen Koruption beinahe vergessen.
46 Jahre später kam Henry Charriere, genannt "Papillon", auf die gleiche Insel, wegen Mordes zu lebenslänglichem Bagno verurteilt. Er schrieb einen Bestseller, der ihn zum Millionär machte. Er behauptet darin, auf zwei mit Kokosnüssen gefüllten Säcken von der Teufelsinsel geflohen zu sein; von der schroffen Felsküste direkt unterhalb der Bank, auf der Dreyfus zu sitzen pflegte.
Hans Hass besuchte die Insel um die Berichte beider Männer persönlich zu überprüfen. Er fand die Gefängnisse, in denen Dreyfus gefangen gehalten wurde und ging Einzelheiten seiner erschütternden Briefe nach. Ebenso besuchte er die "Menschenfresserin", das Zuchthaus auf der Nachbarinsel St. Joseph, in dem Papillon zwei Jahre in Einzelhaft zubrachte. Wie die Ruinen von Mayabauten liegen diese Gefängnisse heute im Lianendickicht eines beinahe undurchdringlichen Urwaldes versteckt. Die umstrittene Flucht Papillons prüfte Hass selbst nach. Mit ebensolchen Kokusnussäcken sprang er vom Felsen in die hohe Brandung, studierte die Wasserbewegung, die Papillon so anschaulich schilderte, und liess sich selbst an der Schlammküste von Sinnamarie im Sumpf versinken, wo nach Papillons Behauptung sein Kollege Silvain einen schrecklichen Tod fand.
Hass lässt viele markante Einzelheiten der Bagnozeit aus den Malereien eines lebenslänglich Verurteilten, eines berühmten Notenfälschers, wiedererstehen. Auch der Frage, ob die Haie dieser Gegend wirklich so besonders gefährlich sind, ging er persönlich nach und bewies, dass hier stark übertrieben wurde. Selbst an dem Platz, wo nach den Berichten Tausende von toten Bagnars im Meer bestattet und sofort von Haien zerrissen wurden, blieb Hass unbehelligt.
Nach seiner Vermutung hat die Bagnoverwaltung das Gerücht der besonderen Haigefahr willentlich ausgestreut, um die Gefangenen an der Flucht von den "Inseln des Heils" zu hindern. Wer am historisch gewordenen Schicksal von Dreyfus und an dem abenteuerlichen Bericht des Pariser Gangsters und Romanciers Papillon interessiert ist, wird im Film "Die Teufelsinsel" viele der ihm aus den Schriften vertraute Plätze vor Augen geführt erhalten - allerdings auch manche Unwahrheit. Für Hass war die grösste Überraschung, dass diese Inseln keine "Hölle" sondern landschaftlich geradezu paradiesisch und auch klimatisch angenehm sind - ein für Touristen der Zukunft sehr geeignetes Idyll!
[Siehe dazu auch: Von der Teufelsinsel zum Leben: das tragische Grenzländerschicksal des Elsässers Alfons Paoli Schwartz / Paul Coelestin Ettighoffer. - Köln: Gilde-Verlag, 1932]
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Standfotos: Horst Ackermann
(C) COPYRIGHT: Michael Jung 2002