Abenteuer im Roten Meer

Englische Fassung: "Red Sea Adventure"
US-Fassung: "Under the Red Sea" (RKO)

80 Minuten, Schwarzweiß.

Erstaufführung: 1951

Filmplakat Herzog-Film

Filmplakat Herzog-Film

Progress Filmillustrierte Nr. 70/55 (DDR)

Illustrierte Film-Bühne Nr. 1185

Das neue Filmprogramm (ohne Nr.)

Das Programm von Heute, Kinozeitschrift Nr. 39

Filmplakat RKO (US)

Filmplakat RKO (US)

 

Hauptdarsteller

Hans Hass und
Lotte Baierl

Teilnehmer/Darsteller

Leo Rohrer
Gerald Weidler
Alfons Hochhauser
Eduard Wawrowetz
und Eingeborene

Kamera

Hans Hass und
Leo Rohrer

Schnitt

Ilse Selckmann-Wienecke

Ton

Hermann Storr
Eduard Wawrowetz
Georg Zander

Tonfassung

K.P. Rohnstein

Musik

Bert Grund
Chöre werden von der Mannschaft des
Expeditionsschiffes "El Chadra" gesungen.

Kommentar

Hans Hass

Produktion

Hans Hass

Verleih

Sascha-Film, Wien
Herzog-Film, München

 

Inhalt:
Port Sudan ist der Ausgangspunkt für die Expedition ins Rote Meer. Drückende Hitze liegt über der Hafenstadt. Mitten im geschäftigen Treiben Lotte Baierl (damals noch Assistentin von Hans Hass) beim Verhandeln - mit ihren langen blonden Haaren und Hosen eine auffällige Erscheinung zwischen den Muslimen. Beim Frühstück erscheint die ganze Crew.
Die ersten tage vergehen mit kleineren Tauchfahrten und Ausflüge in die Umgebung. In der Ruinenstadt Suakin schwimmt Lotte zwischen den Korallenriffen und setzt durch, dass sie auch ein Tauchgerät benutzen kann. Man taucht nach Muscheln und Korallen, harpuniert Zackenbarsche, macht Ausflüge auf eine Vogelinsel oder mit Kamelen in Machmouds Dorf.
Dann beginnt das Abenteuer: Machmoud berichtet von einem sagenumwobenen Wasserungeheuer, das die Fischer immer wieder in Aufregung versetzt. Mit einem Charterschiff beginnt die Suche. Bei ersten Begegnungen mit Haien wird die Wirkung von in die Tiefe geleiteten Tonaufnahmen erprobt. Bei einem walzer von Johann Strauß umkreisen Schwärme neugieriger Fische den Lautsprecher. Auch die Taucher können sich der Musik nicht entziehen: sie tanzen ein Unterwasserballet. Unbemerkt von der Gruppe hat Lotte ein Schifswrack entdeckt, gerät dabei in eine gefährliche Situation, aus der sie sich dann doch retten kann.
Endlich sind die "Ungeheuer" gefunden: Walhai und Manta. Der riesige Walhai schwebt ruhig im Wasser, während die taucher ihn filmend umschwimmen, ihn gar berühren. Diese Aufnahmen machen Expedition und Film zu einem ausserordentlichen Erlebnis.

Port Sudan is the starting point for the expedition to the Red Sea. In search for a legendary sea monster, the team of Hans Hass and Lotte Baierl sets out. There are some encounters with sharks and the team tries to figure out the effect of sound recordings, sent underwater. While playing a waltz of Johann Strauss, some 300 curious fish are circulating around the loudspeaker. The effect on the divers is more unambiuous: they perform an underwater ballet. Unnoticed by her group, Lotte has discovered a ship wreck and faces a dangerous situation. She can be rescued, though. Finally the search for "monsters" is successful: the pictures of a whale shark and a manta ray turn this film into a extraordinary experience.

Werbetext aus der Kinozeitschrift "Illustrierte Film-Bühne Nr. 1185":

 

Was Menschenaugen noch nie sahen:
Abenteuer im Roten Meer
Der erste Unterwasser-Tonfilm
Mörderische Hitze herrscht am Roten Meer, im heissesten Gebiet der Welt. 47 Grad Celsius im Schatten; das Meer selbst ist bis zu 40 Grad heiss! In trostloser Wüste liegt der malerische Hafen Port Sudan. Zwischen Beduinen, Sudannegern und kriegerischen Wüstennomaden trippelt durch die bunten Marktstrassen eine weisse Frau! Es ist Lotte Baierl, ein nettes blondes Mädchen aus Wien. Lotte hat es sich in den Kopf gesetzt, zu beweisen, dass auch eine Frau auf einer Expedition ihren Mann stellt.
Vier Mann nehmen ausser dem Expeditionsleiter und Lotte an der abenteuerlichen Fahrt teil. Leo und Gerry, die beiden Taucherassistenten, sind leidenschaftliche Unterwasserjäger, Xenophon, das Faktotum, wurde gerade von einer giftigen Krabbe in die Lippe gebissen. Eduard, der Tontechniker, prüft mit einem Unterwasser-Lautsprecher, ob Fische musikalisch sind. Wie Amphibien dringen die mutigen Taucher in die Märchenwelt der Korallenriffe ein. Was sie hier sehen und im Film festhalten, hat noch nie ein Menschenauge erblickt.
Lotte gelingt es, einen Fisch vor die Kamera zu bekommen, aber sie ist noch nicht zufrieden. Sie will unbedingt in einem Tauchgerät auch die grösseren Tiefen kennenlernen. "Einer Frau zu widersprechen, ist zwecklos", seufzt Dr. Hass, und alsbald schwebt Lotte durch schauerliche Abgründe. Als ein Hai auftaucht, muss sie am Bein festgehalten werden, da sie gar zu furchtlos mit der Kamera auf ihn losgeht. Lotte ist eine reizende Meeresnixe, aber sie bereitet den Männern dauernd Sorgen!
Da kommt der Fuzzi-Wuzzi-Fischer Machmoud aufgeregt zu Dr. Hass. "Meeresungeheuer sind draussen im Korallenmeer gesichtet worden!" erzählt er. Sie hätten ein Maul wie ein Scheunentor und Teufelshörner auf dem Kopf. Obwohl dies vielleicht eine Lüge ist, um die Weissen zu veranlassen, ein teueres Segelschiff zu mieten, entschliesst sich Hans Hass zu dem abenteuerlichen Wagnis. Auf einem arabischen Segelkutter stösst die Expedition in ungewisse Gebiete vor.
Sturm und tückische Riffe stellen sich den modernen Jüngern Jules Vernes' entgegen, ehe sie in das Meeresgebiet gelangen. Wie amphibische Wesen streifen die Taucher furchtlos durch die Riffe, in denen mordlustige Haie und Barakudas ihr Unwesen treiben.
Erstaunt kommen die Korallenfische herbei, als erstmalig ein Walzer von Strauss auf dem Meeresgrund erklingt. In einem gespenstischen Reigen tanzen Hunderte von ihnen um den Lautsprecher. Inzwischen hat Lotte auf einem Unterwasserspaziergang den Weg verloren und entdeckt ein versunkenes Schiff, dass schon 100 jahre auf dem Grund des Meeres liegt. Vieleicht sind noch Schätze darin verborgen! - denkt Lotte und schwimmt durch den unheinlichen Schiffsbauch, ohne zu bemerken, dass sie schon längst unter der zulässigen Tiefengrenze ist. Durch auftretende Sauerstoffvergiftung verliert sie im Innersten des Wracks das Bewusstsein. Aufregende Augenblicke, eine Überraschung folgt der anderen.
In letzter Stunde erreicht die Expedition doch noch das gesteckte Ziel. Plötzlich tauchen Riesenflossen über dem spiegelglatten Meer auf! Unter der Oberfläche zeichnen sich Umrisse von Meerriesen ab, die noch von keiner Kamera festgehalten wurden. Schon sind die Männer über Bord, im Wasser. Auch Lotte, kaum wieder hergestellt, springt ihnen nach. Schon tummeln sich die Fischmenschen um ein Monstrum, das in seiner gewaltigen Unförmigkeit durch den Meeresraum treibt. Hans schwimmt direkt auf das Auge zu, filmt es. Und er filmt sogar in das Maul hinein, von dem Machmoud mit Recht sagen durfte: "Gross wie ein Scheunentor!"
Und da sind auch die sagenhaften Meeresteufel, vor denen sich die Eingeborenen fürchten! Deutlich strecken sie ihre Teufelshörner ins Wasser vor, flattern wie Vögel der Urzeit, mehr als fünf Meter in Spannweite, dahin. Noch einmal gerät Lotte in Lebensgefahr. Zwei Riesenbullen kommen direkt auf sie zu! Eduard im Boot reisst das Gewehr an die Backe und drückt ab. Das Geschoss schlägt dicht neben Lotte durch die Oberfläche, trifft das angriffslustige Tier. In wütendem Toben braust das Ungeheuer direkt über der furchtlosen Lotte hinweg...
"Das Drehbuch dieses Films", erklärt Hans Hass, "schrieb - die Wirklichkeit!"

Hintergrund:
Die Überwasseraufnahmen wurden mit der 35-mm-Arriflexkamera gedreht, die Unterwasseraufnahmen mit drei 16-mm -Siemenskameras (zwei mit Weitwinkel-, eine mit Teleobjektiv) und Kodak Plus-X-Film.
Bericht über die zweite Expedition 1950 nach Port Sudan/Rotes Meer; die Suche nach dem legendären Manta-Rochen und die Annäherung an den grössten Hai der Welt, den Walhai.
Verkauf der Weltrechte an RKO Pictures (US Filmproduzent Sol Lesser). Die deutsche und die englische Version des Films unterscheiden sich nur in Details, z.B. wurde die Szene am Markt minimal gekürzt bzw. umgeschnitten. Darüber hinaus scheint die englische Version für das US-Publikum ein weiteres Mal umgeschnitten worden zu sein. In der englischen Fassung wird der Kommentar ebenfalls von Hans Hass selbst gesprochen.
Premiere in Deutschland im September 1951, Österreichische Uraufführung am 21.09.1951 in der „Urania“, Wien. Am 14. Oktober 2001 wurde „Abenteuer im Roten Meer“ anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Biennale-Preises erneut (nach 1975) vom ORF 2 ausgestrahlt.

Biennale in Venedig:
Während der alljährlichen Biennale für zeitgenössische Kunst in Venedig fanden vom 20. August bis 10. September 1951 die Internationalen Filmfestspiele Venedig (XII. Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica) statt, bei denen der beste Spielfilm mit einem Hauptpreis, dem „Goldenen Löwen“, geehrt wird. Zwei Wochen zuvor fanden dort als Rahmenprogramm mit einer eigenen Jury die Filmfestspiele für wissenschaftliche, kulturelle und dokumentarische Filme (2. Mostra Internazionale del Film Scientifico e del Documentario d’Arte) statt. Bis 1950 war dieses Genre eine Unterkategorie der Internationalen Filmfestspiele Venedig gewesen, bevor sie als eigenständiger Wettbewerb geführt wurden.
Hass hatte seinen Film „Abenteuer im Roten Meer“ wohlweißlich sowohl bei dem Wettbewerb für Dokumentarfilme als auch bei dem anschließenden Wettbewerb für Spielfilme angemeldet. Beim Dokumentarfilm-Festival ging der Hauptpreis zwar an eine amerikanische Produktion von Walt Disney, allerdings erhielt „Abenteuer im Roten Meer“ den Internationalen Preis für lange Dokumentarfilme („Premio Internazionale del Documentario di Lungo metraggio“). Bei dem anschließenden Wettbewerb für Spielfilme erhielt er keinen Preis. Die Juroren hatten richtig erkannt, dass die Talente von Hass eher auf dem Sektor des Dokumentar- als des Spielfilmes lagen, selbst wenn sich die Laienschauspieler große Mühe gegeben haben, um den Wunsch des Produzenten Anton Schuchmann von Sascha-Film bestmöglich zu erfüllen.
Siehe dazu auch die Anmerkungen von Hans Hass: Meine Filmarbeiten im Roten Meer.

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