Menschen unter Haien

84 Minuten, Schwarzweiß.

Erstaufführung: 1947

 

Illustrierte Film-Bühne Nr. 566

Illustrierter Film-Kurier Nr. 499

Drehbuch, Regisseur und Expeditionsleiter

Hans Hass

Teilnehmer

Dr. Jörg Böhler
Alfred von Wurzian
Heinz Gervais
Alfons Hochhauser
Dr. Albrecht Beckh

Kamera

Hans Hass und
Alfred von Wurzian

Schnitt

Hans Hass und
Ursula Hühne

Kommentar

Hans Hass

Musik

Herbert Windt

Produktion

Hans Hass / Dr. Nicholas Kaufmann (UFA)

 

Inhalt:
Der Vorhang öffnet sich und Hans Hass entführt die Zuschauer auf eine mehrmonatige Tauchexpedition durch die Ägäis mit Alfred von Wurzian und Jörg Böhler, Dr. Albrecht Beckh, dem Dolmetscher "Xenophon" (Alfons Hochhauser) und Heinz Gervais. Umgeben von Lippfischen, Quallen, Schwämmen, Seenelken und Rochen beobachten die lautlos dahingleitenden Schwimmer die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung.
Am 12.07.1942 schlug die Geburtsstunde des Schwimmtauchens. Hans Hass verwandelt sich mit seinem neuartigen Atemgerät in ein fischartiges Wesen und bewegt sich ohne Atemnot frei unter Wasser. Wegen des eingeatmeten reinen Sauerstoffs allerdings nicht ohne Risiko. Ein Unfall mit Sehstörungen und Bewußtlosigkeit erinnern an die Gefährlichkeit dieses Gerätes in Tiefen über 20 Metern. Immer wieder wechseln die Tauchstandorte, demonstriert der Film die wissenschaftliche Arbeit des Sammelns und filmt die Jagden auf Fische und Schildkröten.
Ein Höhepunkt ist die Begegnung mit dem Hai, der als edler Herrscher der Meere vorgestellt wird - im Gegensatz zu den Muränen. Durch die damals verbreitete Dynamitfischerei angelockt, zeigen sich Haie, Rochen, Thunfische..., die Hass aus nächster Nähe studieren kann. Unglaublich, wie sich in diesen Kameraeinstellungen, die Hai und Mensch gleichzeitig zeigen, die Taucher zwischen den gefürchteten Tieren bewegen und sie durch Schreien oder Anschwimmen in die Flucht schlagen.
Ein bahnbrechender Film über eine mit einfachen Mitteln durchgeführte, wissenschaftliche Expedition, bei der auch das Abenteuer nicht zu kurz kommt.

The curtain opens and Hans Hass takes the audience for several months to a diving expedition across the Aegean, together with Alfred von Wurzian, Joerg Boehler, Dr. Albrecht Beckh, the interpreter "Xenophon" (Alfons Hochhauser) and Heinz Gervais. Surrounded by exotic fish, jelly fish, sponges and rays, the silently moving swimmers observe the animals in their natural environment.
On July 12th 1942 was the birth of swimdiving: with the new breathing device, an oxygen rebreather, Hans Hass seems to become a fish-like creature and moves under water without breathing problems.
At the end of the film "Men Among Sharks", the encounter with sharks, lord of the seas, is a highlight.
A pioneering film about a scientific expedition where adventure got its fair share.

Werbetext aus der Kinozeitschrift "Illustrierte Film-Bühne Nr. 566":

 

Menschen unter Haien
Ein abenteuerlicher Film von Hans Hass im Verleih der Herzog-Film
Aufgenommen im Gebiet der Sporaden, der Zykladen und an der Küste von Kreta

Filmaufnahmen auf dem Mond
wurden noch nicht gemacht. Aber nicht viel weniger Fremd wirken die Landschaften unten, auf den Grund des Meeres.
Frei fliegende Menschen
schweben durch die Unterwasserwelt. Wie Vögel kreisen sie über den Felslandschaften, wie Raubvögel, denn sie spähen abwärts, spähen nach Jagdwild, das der Speer treffen soll.
Die Hauptdarstellerin dieses Filmes,
der weibliche Star also, heisst mit Vor- und Zunamen "GEFAHR"

Wiener Studenten sind es, die den Meeresgrund erforschen wollen, nicht Professoren mit langen Bärten. Sie haben ein Schiff, haben Phantasie udn Mut, von Piräus sticht die Expedition ins Meer, bei Chalik wird bereits der erste Hai gesichtet...
Schon sind die jungen Forscher im Wasser. An den Füssen tragen sie Flossen, vor den Augen eine Maske, mit Harpunen und Kamera in den Händen streifen sie schwimmend über den Meeresgrund. Eine flimmernde, unwirkliche Welt mit gähnenden Klüften, wiegenden Algenwäldern und Fischen, die mit erstaunten Augen den ungewohnten Besuch betrachten. Ein Adlerrochen flattert vogelartig vorbei, und schon sind die Fischmenschen hinter ihm her...
Nun soll ein Zackenbarsch gefilmt werden. Er hockt vor seiner Höhle und sieht durchaus nicht intelligent drein. Im Taucherhelm pirscht der Mann mit der Kamera näher, und auf ein Einsatzzeichen gleitet der Jäger von oben herab. Aber es kommt etwas Ungewohntes dazwischen. Dem Mann im Boot ist das Pumpen zu langweilig geworden. Ihm ist heiss, und er zündet sich in Gemühtsruhe eine Zigarette an...
Hans Hass, der Leiter der Expedition, schnallt sein neues Tauchgerät um, es ist so klein, daß man es in einer Aktentasche bei sich tragen kann. Ein Zeichen des Abschieds und schon gleitet er hinab. Hier ist ein Mensch wahrhaftig zu einem Meerestier geworden. Einheimische Fischer, die mit dem Guckkasten in die Tiefe starren, wenden sich erschreckt ab. In zwanzig Meter Tiefe wird es reichlich dunkel, weiter, immer weiter geht es hinab. Erst in einer Höhle, dreissig Meter tief, wird Rast gemacht. Staunend blickt Hass um sich: Er ist hier unten in einer völlig anderen Welt...
Mit Hussa! geht es hinter einer Schildkröte her. Griechische Fischer jagen sie mit dem Boot, dann springen Jörg und Alfred über Bord und die Jagd geht los. Die Schildkröte liebt ihre Freiheit und hat einen bösen Schnabel, aber die Fischmenschen sind schneller, und das Ganze wird auch noch in Zeitlupe gefilmt...
Und weiter geht die Fahrt. Bei Trikkeri liegt ein versunkenes Schiff, alsbald spazieren die Fischmenschen darauf herum. Hier ist der Speisesaal, dort das Promenadendeck - aber dabei werden seltene Meerestiere gesammelt. Aber die Tiefe ist zu gross, der reine Sauerstoff des Atemgerätes wird ganz giftig. Hass blickt um sich, weisse Flecken vernebeln sein Bild, plötzlich wird er gelähmt und bewusstlos...
Bei Psathrua, der äussersten nördlichen Sporade, soll eine versunkene Stadt auf dem Meeresgrund liegen. Bei der Suche harpuniert Jörg einen Zackenbarsch und verhängt sich dabei auf den Grund in einer Schlinge. Er reisst und zappelt, aber die Leine ist stärker. In letzter Verzweiflung versucht er, sie mit zwei Steinen auseinanderzuklopfen. Und das Klopfen wird ihm zur Rettung...
Nachdem er sich ein wenig erholt hat, soll es der giftigen Muräne ans Leben gehen. Doch es ist nicht nur eine: überall schlängeln sich Muränen durch die Schiffstrümmer. Und Jörg ist nicht zu halten, eine nach der anderen wird durch den geifernden Kopf harpuniert...
An eine anderen Platz gibt es Riesenrochen. Hass filmt, wie sie ihren Giftstachel lässig hin und her schwenken. Dazu rollen sie bösartig mit den Augen. Aber nein, das sind gar nicht die Augen...
In den unterseeischen Grotten der einsamen Insel Piperi hat sich eine unbekannte Schwamm- und Korallenfauna gebildet, hier erreicht die wissenschaftliche Sammeltätigkeit ihren Höhepunkt. Mit Meissel und Hammer klettern die Taucher durch unterseeische Schlünde und ein Museumsstück anch dem anderen wandert an den Tag...
Schliesslich, in Santorin, einem grossen versunkenen Vulkan, kommt es zu der lang erwarteten Begegnung mit Haifisch-Rudeln. Dynamitfischer sind am Werk, werfen Bomben, töten die Fische rücksichtslos zu Tausenden, und das lockt die Haifische heran. Kaum ist die Explosion verklungen, so sind auch die jungen Forscher unter Wasser, inmitten des Silberregens verletzter und betäubter Fische. Und was sie hier erleben, ist einfach unbeschreiblich. Von allen Seiten kommen die Haifische gierig herangerast, Haie in allen Grössen, zehn, siebzehn zur gleichen Zeit, und zwischen ihnen rasen Thunfische kreuz und quer und schnappen unersättlich einen Fisch nach dem anderen. Hass und seine Kameraden wissen in diesem Durcheinander kaum, wohin sie die Kamera zuerst richten sollen. Durch Handzeichen verständigen sie sich, kreisen Haie ein, da kommt ein besonders wilder und beisst einem Thunfisch den Bauch weg. Blutend sinkt die Leiche auf den Grund, die Wunde ist wie von einem Rasiermesser geschnitten! Und das Getümmel wird immer wilder, einer der Haie attackiert, rast bis knapp an die Menschen heran...
Eine Expedition auf den Mars könnte keine fremdartigeren und abenteuerlicheren Bildstreifen liefern.

Hintergrund:
"Menschen unter Haien" entstand 1942 anläßlich von Hans Hass' Ägäis-Expedition zu den Sporaden, Kykladen und nach Kreta. Anfänglich war er als UFA-Kulturfilm geplant und unter der Leitung von Dr. Nicholas Kaufmann produziert worden. Die Uraufführung des Films fand erst nach dem Krieg statt: 1947 in der Schweiz - im "Kapitol" in Zürich. Am 3. September 1948 hatte er in Österreich Premiere (Urania, Wien), 1949 in Deutschland.
An den Originalschauplätzen über Wasser gedreht mit zwei Movikon K16 (Zeiss-Ikon) und unter Wasser mit der Siemenskamera auf 16 mm-Film. Rahmenhandlung (die anfängliche Vortragsveranstaltung) gedreht auf 35 mm.
"Menschen unter Haien" wurde erstmals am 16. April 2001 (Ostermontag) in 3sat in voller Länge im Fernsehen gezeigt, gemeinsam mit "Pirsch unter Wasser".
Die Ereignisse der Griechenland-Expedition wurden von Hans Hass auch in dem Buch beschrieben "Menschen und Haie", Verlag Orell-Füssli, Zürich, 1949.

Siehe dazu auch die Anmerkungen von Hans Hass: Meine Filmarbeiten in der Aegäis

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